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Nicht “Alpinismus” sondern “Andinismus”!

Beim Anflug nach El Calafate hatten wir einen ersten, großartigen Blick auf die schneebedeckten Anden und das endlose Südpatagonische Eisfeld. Sehr gut zu erkennen waren die berühmten Massive Fitz Roy und Cerro Torre. Und genau dort zog es uns auch hin.

Ausgangspunkt für Wanderungen zum Fitz Roy und Cerro Torre im Parque Nacional Los Glaciares ist das kleine, verschlafene Bergdorf El Chalén, das von El Calafate aus in ca. 3 Stunden mit dem Bus erreicht werden kann. El Chaltén existiert erst seit ca. 15 Jahren. Damals beschloss die argentinische Regierung, in diesem Gebiet eine permanente Siedlung zu errichten, um ihren Anspruch auf dieses Territorium gegenüber Chile zu sichern. Seitdem hat sich der Ort zu einem Mekka für Wanderer, Bergsteiger und Kletterer entwickelt. Die Hochsaison startet im November, wir hatten also Glück und konnten noch ein paar relativ ruhige Tage dort genießen. Viele Lokale hatten noch nicht geöffnet und überall war großer Frühlingsputz im Gange. Überhaupt herrscht in El Chaltén ein Bauboom. Ich bin mir sicher, dass das Dorf in ein paar Jahren kaum mehr wiederzuerkennen ist und von Touristen komplett überschwemmt sein wird.

Die zwei beliebtesten und wohl auch schönsten Touren in dieser Gegend sind die Tageswanderungen zu Aussichtspunkten nahe am Fitz Roy bzw. am Cerro Torre. Die erste Wanderung zur Laguna de los Tres unter dem beeindruckenden Massiv des Fitz Roy beendeten wir nach 11 anstrengenden Stunden und mit schmerzenden Beinen in der Abenddämmerung. Die zweite zur Laguna Torre mit tollem Ausblick auf den Cerro Torre war mit 7 Stunden zum Glück deutlich kürzer und es mussten weniger Höhenmeter überwunden werden. Wir hatten das große Glück den Fitz Roy komplett ohne Wolken zu sehen, laut den Nationalpark-Rangern ein seltenes Privileg, speziell zur jetzigen Jahreszeit.

Ein interessantes Detail: am Ortsrand von El Chaltén steht eine typische österreichische Kapelle mit Holzschindeln! Sie trägt die Aufschrift: Toni Egger Gedenkkapelle. Toni Egger war ein Tiroler Bergsteiger der Ende der 50iger-Jahre bei(m Versuch) der Erstbesteigung des Cerro Torre ums Leben kam. Laut seinem Kletterpartner waren die beiden am Gipfel, die Kamera mit den Gipfelfotos wurde allerdings von der Eislawine zusammen mit Toni Egger in den Abgrund gerissen und konnte nie gefunden werden. Daher ist bis heute umstritten, ob die beiden wirklich die Erstbesteigung geschafft haben. Ein Nebengipfel des Cerro Torre wurde jedenfalls nach ihm “Cerro Egger” benannt. Im Andenken an Toni Egger und an mehrere andere Bergsteiger die in diesem Gebirge ihr Leben verloren haben, wurde die kleine Kapelle errichtet.

Bei der Wanderung zum Fitz Roy trafen wir ein junges deutsches Pärchen, das bereits seit 6 (!!!) Jahren in der Weltgeschichte herumtingelt. So lange halten wir’s sicher nicht mehr aus… 😉

Parque nacional Lauca

Von Arica aus nahmen wir um 7 Uhr in der Früh einen öffentlichen Bus in das 3,5 Stunden entfernte Dorf Putre auf 3.600 m Seehöhe. Die erste halbe Stunde fuhren wir durch dichten Nebel, dann klarte es allerdings auf und wir konnten vom Busfenster aus die kahle, aber wunderschöne Gebirgslandschaft genießen. Die Straße ins Gebirge ist recht gut ausgebaut, da sie als Transitroute für LKWs von Bolivien zum Seehafen im chilenischen Arica dient. Putre ist ein mehr als verschlafenes Dorf, fast keine Touristen aber auch kaum Dorfbewohner weit und breit. Das Dorf existiert hauptsächlich wegen des Militärstützpunktes, der dort aufgrund der Nähe zu Peru und Bolivien betrieben wird. Wir blieben für 2 Nächte in einer Unterkunft die von einem italienischen Paar geführt wird und machten am zweiten Tag eine Tagestour per Geländewagen in den Lauca Nationalpark, der noch einmal 1000 m weiter oben im Gebirge liegt. Diese Gegend ist touristisch noch weitgehend unerschlossen. Die Höhe spürt man schon sehr deutlich, bei jedem Schritt und vor allem wenn man aufsteht! Im Laufe des Tages baute sich bei mir langsam Kopfweh auf. Aber die Landschaft dort oben ist grandios, ein Bilderbuchvulkan reiht sich an den nächsten! Und mit Flavio hatten wir einen wirklich tollen Guide! Wir haben jede Menge Tiere gesehen, u.a. Vizcachas die wie eine Mischung aus Känguru und Hase ausschauen.

After 10km the road is unsealed (…), turn right into the Klusklus Forest road and follow it for 45km (…)

… and then you are at the Fingerlake Wilderness Resort. On the way we could see a bear before he fled into the dense forest. A very remote place – they run a diesel-generator, use satellite communication and the toilet is called “outhouse”. We stayed there for 2 nights in one of the rustic cabins.

To intensify the feeling of being in the wilderness we rented a canoe to explore the Finger lake – our boat was the only one on the whole lake and it took us 3,5h to paddle to the end of one “finger”. We saw several loons and bald eagles. In the evening and during the night we encountered another part of this wilderness – mosquitoes. Really, really bad – I can’t say what is more annoying, New Zealand’s sand-flies or Canada’s mosquitoes.

Sawtooth Wilderness

Die Sawtooth Wildnis ist ein wunderschönes und einsam gelegenes Schutzgebiet im Norden der USA, das seinen Namen von einer wie Zähne eine Säge geformten Bergkette hat. Auf dem Weg dorthin machten wir einen kurzen Stopp in einem Schigebiet – klarerweise geht da nix ohne Doppelmayr. Außerdem kamen wir an Vienna vorbei – einem alten Goldgräber-Camp – von dem aber außer dem Schild nichts mehr exisitiert. Wir haben bei idealem Wetter eine Wanderung ins Wildnisgebiet unternommen und wollten eigentlich zu einem Pass hinaufwandern. Der Weg dort rauf war aber ziemlich schmal, exponiert bzw. seitlich extrem steil abfallend und ich hab einen leichten Anfall von Höhenangst bekommen (hab ich normalerweise nicht), deshalb wollte ich das letzte Stück dann nicht mehr weitergehen. Trotzdem wars wunderschön, der Weg war das Ziel. Beim Klettern über umgestürzte Baumstämme, die den Wanderweg versperrt haben, bin ich am Rückweg dann aber leider ziemlich böse mit dem Knöchel umgeknickt und musste die restlichen 2 Stunden den Berg hinunterhumpeln. Gottseidank war’s nichts ärgeres, angeschwollen ist’s aber ziemlich und weh tut’s aber auch jetzt – nach mehreren Wochen – noch. Bei der Wanderung haben wir einen älternen Mann mit seinem Schwiegersohn getroffen, die extrem schwer bepackt (25+kg) gerade zu einer 1-wöchigen Wanderung ins Wildnisgebiet aufgebrochen sind. Besonders glücklich haben sie nicht ausgeschaut unter der ganzen Last, schließlich geht’s da ja recht steil hinauf… 🙂