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In 4 Tagen durch den Nationalpark Torres del Paine

4 Tage lang folgten wir der “W-Route” von West nach Ost durch den Nationalpark Torres del Paine. Bei der 2-stündigen Busfahrt in den Park von Puerto Natales aus beschlichen uns leichte Zweifel, ob dieser Plan so eine gute Idee war: es schneite nämlich munter vor sich hin. Wir ließen uns aber nicht die Stimmung vermiesen. Und außerdem hatten wir schon die kommenden 3 Nächte in Berghütten (Refugios) entlang des Weges vorgebucht. Wir schlafen zwar nicht ungern im Zelt, aber wir hatten keine Lust erst den ganzen Tag das Campingequipment herumzuschleppen und dann bei den eisigen Temperaturen in der Nacht draußen zu schlafen. Ein lächerliches Stockbett im Schlafsaal ohne Bettwäsche (Schlafsack haben wir selbst mitgenommen) in den Refugios ist zwar unverschämt teuer, aber nachdem wir gehört hatten, dass diese Wanderung wirklich spektakulär sein soll haben wir in den sauren Apfel gebissen und trotzdem gebucht. Auch das gesamte Essen für die 4 Tage haben wir mitgenommen, da die Preise in den Refugios eine Frechheit sind. Dadurch waren unsere Rucksäcke auch ohne Zelt und Isomatten riesig. Wir beschlossen im Westen des Parks mit der Tour zu starten, das  bedeutet, dass nach der Busfahrt noch eine Fährfahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung folgte. Es schneite immer wieder, dann klarte es kurzfristig auf. Das Wetter in dieser Gegend wechselt unglaublich schnell. So ähnlich, wie wir es von Schottland kennen. Aber die Landschaft ist bei jeder Witterung spektakulär: schroffe Berge, türkise Seen, karge Wiesen, noch nicht in vollem Grün, da der Frühling erst im Anmarsch ist.

Die erste Teilstrecke der Tour führte in etwa 2 Stunden vom Anlegeplatz der Fähre aufwärts zu einem Aussichtspunkt auf den Grey Gletscher und dann wieder zurück zum ersten Refugio. Kaum hatten wir den Gletscher in der Ferne im Blick, zog von Westen eine dunkle Schneewolke herein und innerhalb von Sekunden befanden wir uns mitten in einem Schneesturm. Starker Wind, dichtes Schneetreiben, kaum Sicht. Der Gletscher war verschwunden. Na großartig! Aber damit muss man in dieser Gegend zu jeder Jahreszeit rechnen. Wir kehrten am Aussichtspunkt um und beeilten uns ins erste Refugio zu kommen. Die Berghütte (Vértice Paine Grande “Logde”) bot leider nur wenige Möglichkeiten zum Aufwärmen. Ein zugiges, eiskaltes Loch. Wer weiß, ob es im Zelt nicht ähnlich gemütlich gewesen wäre, jedenfalls aber viel billiger… Tag 2 schaute zum Glück direkt von der Früh weg viel besser aus. 7 Stunden lagen vor uns bis zur nächsten Unterkunft. Im Sonnenschein kein Problem. Der Weg und die Aussicht waren großartig und abwechslungsreich. Von einem türkisblauen See ging es hinauf zu einem imposanten hängenden Gletscher, an dem wir mehrere Lawinen beobachten konnten. Refugio Nummer 2 (Los Cuernos, Fantástico Sur) am Abend  war zum Glück deutlich gemütlicher, viel kleiner und daher leichter beheizbar. Außerdem konnten wir unsere müden Füße auf der windgeschützten Terrasse in der Sonne mit Blick auf die steil aufragenden Bergwände ausruhen. Tag 3 wartete mit strahlendem Sonnenschein und höheren Temperaturen auf. In 5 Stunden schafften wir den Weg zu Refugio Nummer 3 (El Chileno, Fantástico Sur). An diesem Tag gönnten wir uns eine etwas längere Pause und genossen im Sonnenschein vor der Hütte selbstgekochte Spagetti mit Tomaten(suppen)-Sauce und eine Flasche Rotwein. Selten hat uns Rotwein so gut geschmeckt! Highlight der letzten Etappe der Wanderung ist die Aussicht auf die Torres del Paine bei Sonnenaufgang – so hatten wir es zumindest gehört. Das bedeutet aber, entweder auf einem weiter oben gelegenen Campingplatz zu schlafen und im Morgengrauen nur eine 3/4 Stunde auf den hochgelegenen Aussichtspunkt hinaufzuwandern, oder wie wir, vom letzten Refugio aus in 1 3/4 Stunden. Um 4 Uhr war daher im Stockdunklen Abmarsch. Ein paar wenige andere Leute aus dem Refugio taten es uns gleich. Der Sternenhimmel in der mondlosen, klaren Nacht war atemberaubend. Immer dem richtigen Weg zu folgen war trotz Stirnlampe nicht ganz leicht. Über viele Bachläufe und Brücken ging es auf steilen Wegen stetig bergauf. Wir schafften es rechtzeitig zum Aussichtspunkt und konnten einen spektakulären aber eiskalten Sonnenaufgang genießen. Langsam färbten sich die Spitzen der Torres del Paine in immer intensiverem Rot. Ein geniales Fotomotiv! Nach der Rückkehr ins Refugio verspeisten wir die Reste unseres Proviants, danach ging’s hinunter ins Tal von wo aus wir mit dem Bus nach Puerto Natales zurückkehrten. Wunderbare, aber anstrengende 4 Tage lagen hinter uns und damit auch die letzte, lange Wanderung auf unserer Weltreise.

Puerto Natales

Overall we stayed three times in Puerto Natales – first time we were coming from El Calafate and checked out when we should go to the national park Torres del Paine. Weather forecast was not that great, so we decided to do the trip to Punta Arenas first. When we came back, the weather forecast was promising, so we used our time in Puerto Natales to arrange everything for a long hike in the national park. And the last time was, when we returned from the park for a short  stop before returning to El Calafate.

Every stay in this town was great and we will go back to this place for sure. Perhaps we once will do the 4-day ferry-ride starting in Puerto Montt down through the sounds of the flooded Andes.

Damen und Herren im Frack

Was für eine hübsche kleine Stadt: Punta Arenas, einer der südlichsten Städte des südamerikanischen Festlands. Sie liegt ziemlich weitläufig in einer großartigen Landschaft. Danach kommt nur mehr die Insel Feuerland. Sehr windig ist es hier und kalt!! Zum ersten Mal auf dieser Reise war ich für meine warme Haube wirklich dankbar.

Das Stadtzentrum hat uns mit imposanten, historischen Gebäuden beeindruckt. Aber auch die einfachen Wohnhäuser waren oft ein Blickfang: sehr viel Holz, sehr viele Farben, auch einige ultramoderne Gebäude. Punta Arenas ist ein bunter Mischmasch aus verschiedenen Stilen, kein Wunder bei der geografischen Vielfalt der ehemaligen Immigranten. Viele Einwohner haben übrigens kroatische Wurzeln; ein Taxifahrer mit dem wir ins Gespräch gekommen sind, hat uns von seinen russischen Eltern erzählt. Die Inschriften auf den Gräbern des wunderschönen städtischen Friedhofs erzählen ebenfalls von der vielfältigen Herkunft der ansässigen Familien.

Auch Deutsche bzw. Deutschsprachige hat es hierher verschlagen. Davon zeugt zum Beispiel die freiwillige deutsche Feuerwehr vor Ort und das Oktoberfest, für das wir aber leider zu früh dran waren…

An einem wunderschönen sonnigen – aber trotzdem windigen und kalten – Tag haben wir zwei Ausflugsziele in der Nähe von Punta Arenas besucht: das Freilichtmuseum “Fort Bulnes”, die erste chilenische Kolonie, die in diesem abgelegenen Teil Patagoniens errichtet wurde – wiederum um den Anspruch Chiles auf dieses Territorium zu festigen. Interessant seine Geschichte, die aufgrund der Lage alles andere als einfach war. Bei der Errichtung des Forts spielte einzig und allein die strategisch gute Lage des Ortes auf einer windumtosten Anhöhe an er Küste eine Rolle, die Bedürfnisse der Siedler wurden ignoriert. Im Eintrittspreis inbegriffen war eine englischsprachige Führung und diesmal war “englischsprachig” kein leeres Versprechen.

Besonders putzig: die Kolonie der kleinen Magellan-Pinguine nördlich von Punta Arenas. Ziemlich neugierige und hübsche Tiere. Einer davon hat aus nächster Nähe richtiggehend für unsere Kamera posiert. 😉 Von Punta Arenas aus werden auch Touren zu einer Königspinguin-Kolonie angeboten, angeblich der einzige Ort, an dem man sie außerhalb der Antarktis beobachten kann. Diese Art wird bis zu einem Meter groß. Die Tour dorthin dauert jedoch 12 Stunden und war uns einfach zu lang und zu teuer. Vielleicht beim nächsten Mal!

Seit langer Zeit haben wir es auch wieder einmal ins Kino geschafft: genau richtig für einen kalten, windigen, bewölkten Abend. Zum Glück werden die meisten US-Filme hier auf Englisch mit spanischem Untertitel gezeigt, das macht es für uns einfacher, speziell für Robert. Und im Gegensatz zum letzten Mal haben wir diesmal sogar ein digitales Kino erwischt!

 

Way through the mountains

Before we arrived in Santiago we thought already about a way to travel to Argentina. I looked for information about buses and so I found several reports that the crossing of the Andes from Santiago to Mendoza is a must-do. It was also recommended to book a seat on the upper level in the first row to enjoy the ride in the best possible way.

Latest after I checked the prices for a flight to Buenos Aires I was absolutely convinced that we have to take the bus. We booked a passage with Andesmar and were able to get first row seats. Besides that, we were lucky to have great weather. It was really absolutely amazing – the best bus ride ever. The only drawback was the 2 hour waiting time at the border station.

At last a note on the history of this route through the Andes: the pass we took is called Los Libertadores. This name originated from the fact that the Argentinian General San Martin led his army from Mendoza along this way to Chile to bring freedom and independence from Spain. Later on he also liberated Peru.

Santiago

From Arica we took the plane to Santiago – doing this distance by bus wouldn´t have been very funny. We would have taken the bus if we would have done a stop in St. Pedro de Atacama, but since the european observatories of the southern hemisphere aren´t ready yet we decided to skip it and keep it as a travel destination for later on.

Santiago is one of the most modern towns we visited so far in South America. On the other hand there aren’t any really impressive old buildings. After a rainy day, when the clouds are gone it is possible to have a clear view of the Andes behind the city skyline.

Parque nacional Lauca

Von Arica aus nahmen wir um 7 Uhr in der Früh einen öffentlichen Bus in das 3,5 Stunden entfernte Dorf Putre auf 3.600 m Seehöhe. Die erste halbe Stunde fuhren wir durch dichten Nebel, dann klarte es allerdings auf und wir konnten vom Busfenster aus die kahle, aber wunderschöne Gebirgslandschaft genießen. Die Straße ins Gebirge ist recht gut ausgebaut, da sie als Transitroute für LKWs von Bolivien zum Seehafen im chilenischen Arica dient. Putre ist ein mehr als verschlafenes Dorf, fast keine Touristen aber auch kaum Dorfbewohner weit und breit. Das Dorf existiert hauptsächlich wegen des Militärstützpunktes, der dort aufgrund der Nähe zu Peru und Bolivien betrieben wird. Wir blieben für 2 Nächte in einer Unterkunft die von einem italienischen Paar geführt wird und machten am zweiten Tag eine Tagestour per Geländewagen in den Lauca Nationalpark, der noch einmal 1000 m weiter oben im Gebirge liegt. Diese Gegend ist touristisch noch weitgehend unerschlossen. Die Höhe spürt man schon sehr deutlich, bei jedem Schritt und vor allem wenn man aufsteht! Im Laufe des Tages baute sich bei mir langsam Kopfweh auf. Aber die Landschaft dort oben ist grandios, ein Bilderbuchvulkan reiht sich an den nächsten! Und mit Flavio hatten wir einen wirklich tollen Guide! Wir haben jede Menge Tiere gesehen, u.a. Vizcachas die wie eine Mischung aus Känguru und Hase ausschauen.

Erste Eindrücke aus Chile: Arica

 

Genau am Wochenende des Unabhängigkeitstages sind wir in Chile bzw. in der Grenzstadt Arica im äußersten Norden des Landes angekommen. Überall wehten chilenische Flaggen und die halbe Stadt war am Strand um zu feiern. Arica ist eine freundliche, sonnige Stadt und Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark Lauca. Außerdem wurden in der Nähe der Stadt die angeblich ältesten Mumien der Welt gefunden, die der Chinchorro-Kultur. Diese Menschen haben vor Tausenden von Jahren alle ihre Toten in aufwändigster Art und Weise präpariert und somit quasi unsterblich gemacht. Nicht nur Adelige oder besonders wichtige Mitglieder der Gesellschaft, sondern jeden, selbst ungeborene Babies.  Makaber aber wahr: Sie gingen dabei in ähnlicher Art und Weise vor, wie heutzutage Tiere ausgestopft werden.  Ein tolles Museum in der Nähe von Arica widmet sich diesem interessanten Thema und stellt die Geschichte der Völker dar, die vor den spanischen Eroberern und sogar noch vor den Inca in dieser Gegend – im Gebirge und an der Küste – gelebt haben.

In Arica fanden wir eine gemütliche Unterkunft: eine Jugendherberge die von einem Neuseeländer und einer Peruanerin betrieben wird. Das Frühstück war eines der besten bisher in Südamerika.