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In 4 Tagen durch den Nationalpark Torres del Paine

4 Tage lang folgten wir der “W-Route” von West nach Ost durch den Nationalpark Torres del Paine. Bei der 2-stündigen Busfahrt in den Park von Puerto Natales aus beschlichen uns leichte Zweifel, ob dieser Plan so eine gute Idee war: es schneite nämlich munter vor sich hin. Wir ließen uns aber nicht die Stimmung vermiesen. Und außerdem hatten wir schon die kommenden 3 Nächte in Berghütten (Refugios) entlang des Weges vorgebucht. Wir schlafen zwar nicht ungern im Zelt, aber wir hatten keine Lust erst den ganzen Tag das Campingequipment herumzuschleppen und dann bei den eisigen Temperaturen in der Nacht draußen zu schlafen. Ein lächerliches Stockbett im Schlafsaal ohne Bettwäsche (Schlafsack haben wir selbst mitgenommen) in den Refugios ist zwar unverschämt teuer, aber nachdem wir gehört hatten, dass diese Wanderung wirklich spektakulär sein soll haben wir in den sauren Apfel gebissen und trotzdem gebucht. Auch das gesamte Essen für die 4 Tage haben wir mitgenommen, da die Preise in den Refugios eine Frechheit sind. Dadurch waren unsere Rucksäcke auch ohne Zelt und Isomatten riesig. Wir beschlossen im Westen des Parks mit der Tour zu starten, das  bedeutet, dass nach der Busfahrt noch eine Fährfahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung folgte. Es schneite immer wieder, dann klarte es kurzfristig auf. Das Wetter in dieser Gegend wechselt unglaublich schnell. So ähnlich, wie wir es von Schottland kennen. Aber die Landschaft ist bei jeder Witterung spektakulär: schroffe Berge, türkise Seen, karge Wiesen, noch nicht in vollem Grün, da der Frühling erst im Anmarsch ist.

Die erste Teilstrecke der Tour führte in etwa 2 Stunden vom Anlegeplatz der Fähre aufwärts zu einem Aussichtspunkt auf den Grey Gletscher und dann wieder zurück zum ersten Refugio. Kaum hatten wir den Gletscher in der Ferne im Blick, zog von Westen eine dunkle Schneewolke herein und innerhalb von Sekunden befanden wir uns mitten in einem Schneesturm. Starker Wind, dichtes Schneetreiben, kaum Sicht. Der Gletscher war verschwunden. Na großartig! Aber damit muss man in dieser Gegend zu jeder Jahreszeit rechnen. Wir kehrten am Aussichtspunkt um und beeilten uns ins erste Refugio zu kommen. Die Berghütte (Vértice Paine Grande “Logde”) bot leider nur wenige Möglichkeiten zum Aufwärmen. Ein zugiges, eiskaltes Loch. Wer weiß, ob es im Zelt nicht ähnlich gemütlich gewesen wäre, jedenfalls aber viel billiger… Tag 2 schaute zum Glück direkt von der Früh weg viel besser aus. 7 Stunden lagen vor uns bis zur nächsten Unterkunft. Im Sonnenschein kein Problem. Der Weg und die Aussicht waren großartig und abwechslungsreich. Von einem türkisblauen See ging es hinauf zu einem imposanten hängenden Gletscher, an dem wir mehrere Lawinen beobachten konnten. Refugio Nummer 2 (Los Cuernos, Fantástico Sur) am Abend  war zum Glück deutlich gemütlicher, viel kleiner und daher leichter beheizbar. Außerdem konnten wir unsere müden Füße auf der windgeschützten Terrasse in der Sonne mit Blick auf die steil aufragenden Bergwände ausruhen. Tag 3 wartete mit strahlendem Sonnenschein und höheren Temperaturen auf. In 5 Stunden schafften wir den Weg zu Refugio Nummer 3 (El Chileno, Fantástico Sur). An diesem Tag gönnten wir uns eine etwas längere Pause und genossen im Sonnenschein vor der Hütte selbstgekochte Spagetti mit Tomaten(suppen)-Sauce und eine Flasche Rotwein. Selten hat uns Rotwein so gut geschmeckt! Highlight der letzten Etappe der Wanderung ist die Aussicht auf die Torres del Paine bei Sonnenaufgang – so hatten wir es zumindest gehört. Das bedeutet aber, entweder auf einem weiter oben gelegenen Campingplatz zu schlafen und im Morgengrauen nur eine 3/4 Stunde auf den hochgelegenen Aussichtspunkt hinaufzuwandern, oder wie wir, vom letzten Refugio aus in 1 3/4 Stunden. Um 4 Uhr war daher im Stockdunklen Abmarsch. Ein paar wenige andere Leute aus dem Refugio taten es uns gleich. Der Sternenhimmel in der mondlosen, klaren Nacht war atemberaubend. Immer dem richtigen Weg zu folgen war trotz Stirnlampe nicht ganz leicht. Über viele Bachläufe und Brücken ging es auf steilen Wegen stetig bergauf. Wir schafften es rechtzeitig zum Aussichtspunkt und konnten einen spektakulären aber eiskalten Sonnenaufgang genießen. Langsam färbten sich die Spitzen der Torres del Paine in immer intensiverem Rot. Ein geniales Fotomotiv! Nach der Rückkehr ins Refugio verspeisten wir die Reste unseres Proviants, danach ging’s hinunter ins Tal von wo aus wir mit dem Bus nach Puerto Natales zurückkehrten. Wunderbare, aber anstrengende 4 Tage lagen hinter uns und damit auch die letzte, lange Wanderung auf unserer Weltreise.

Damen und Herren im Frack

Was für eine hübsche kleine Stadt: Punta Arenas, einer der südlichsten Städte des südamerikanischen Festlands. Sie liegt ziemlich weitläufig in einer großartigen Landschaft. Danach kommt nur mehr die Insel Feuerland. Sehr windig ist es hier und kalt!! Zum ersten Mal auf dieser Reise war ich für meine warme Haube wirklich dankbar.

Das Stadtzentrum hat uns mit imposanten, historischen Gebäuden beeindruckt. Aber auch die einfachen Wohnhäuser waren oft ein Blickfang: sehr viel Holz, sehr viele Farben, auch einige ultramoderne Gebäude. Punta Arenas ist ein bunter Mischmasch aus verschiedenen Stilen, kein Wunder bei der geografischen Vielfalt der ehemaligen Immigranten. Viele Einwohner haben übrigens kroatische Wurzeln; ein Taxifahrer mit dem wir ins Gespräch gekommen sind, hat uns von seinen russischen Eltern erzählt. Die Inschriften auf den Gräbern des wunderschönen städtischen Friedhofs erzählen ebenfalls von der vielfältigen Herkunft der ansässigen Familien.

Auch Deutsche bzw. Deutschsprachige hat es hierher verschlagen. Davon zeugt zum Beispiel die freiwillige deutsche Feuerwehr vor Ort und das Oktoberfest, für das wir aber leider zu früh dran waren…

An einem wunderschönen sonnigen – aber trotzdem windigen und kalten – Tag haben wir zwei Ausflugsziele in der Nähe von Punta Arenas besucht: das Freilichtmuseum “Fort Bulnes”, die erste chilenische Kolonie, die in diesem abgelegenen Teil Patagoniens errichtet wurde – wiederum um den Anspruch Chiles auf dieses Territorium zu festigen. Interessant seine Geschichte, die aufgrund der Lage alles andere als einfach war. Bei der Errichtung des Forts spielte einzig und allein die strategisch gute Lage des Ortes auf einer windumtosten Anhöhe an er Küste eine Rolle, die Bedürfnisse der Siedler wurden ignoriert. Im Eintrittspreis inbegriffen war eine englischsprachige Führung und diesmal war “englischsprachig” kein leeres Versprechen.

Besonders putzig: die Kolonie der kleinen Magellan-Pinguine nördlich von Punta Arenas. Ziemlich neugierige und hübsche Tiere. Einer davon hat aus nächster Nähe richtiggehend für unsere Kamera posiert. 😉 Von Punta Arenas aus werden auch Touren zu einer Königspinguin-Kolonie angeboten, angeblich der einzige Ort, an dem man sie außerhalb der Antarktis beobachten kann. Diese Art wird bis zu einem Meter groß. Die Tour dorthin dauert jedoch 12 Stunden und war uns einfach zu lang und zu teuer. Vielleicht beim nächsten Mal!

Seit langer Zeit haben wir es auch wieder einmal ins Kino geschafft: genau richtig für einen kalten, windigen, bewölkten Abend. Zum Glück werden die meisten US-Filme hier auf Englisch mit spanischem Untertitel gezeigt, das macht es für uns einfacher, speziell für Robert. Und im Gegensatz zum letzten Mal haben wir diesmal sogar ein digitales Kino erwischt!

 

Glaciar Perito Moreno

Die argentinische Kleinstadt El Calafate am südöstlichen Rand des Nationalparks Los Glaciares ist zu Recht für eines berühmt: den gewaltigen Perito Moreno Gletscher, der an seiner 60 m hohen Abbruchkante in den Lago Argentino kalbt. Auf Stegen kann man relativ nahe an den Gletscher heran, der im Gegensatz zur Pasterze nicht schrumpft, sondern immer weiter wächst. Wenn dann ein gewaltiger Brocken Eis unter lautem Donnern ins Wasser kracht oder man das Knacken und Knirschen des Gletschereises unter Druck hört, verursacht das Gänsehaut. Wir haben zwar schon in Kanada oder Norwegen riesige Gletscher gesehen, der Perito Moreno mit seiner Dynamik, die man aus nächster Nähe miterleben kann, übertrifft sie aber alle! Vergleichbar war dieses Erlebnis nur mit der eiskalten Nacht im Zelt unter dem Gletscher des Mount Cook in Neuseeland, in der uns die Geräusche von herabstürzenden Eisbrocken in den Schlaf begleitet haben.

Ganz billig war der Ausflug zum Perito Moreno – 80 km Busfahrt von El Calafate und Eintrittsgebühr in den Nationalpark – leider nicht, aber das sind wir von Patagonien mittlerweile schon gewöhnt. Hier ist nichts billig und trotz Nebensaison schon einiges los (ich möchte nicht wissen wie‘s hier in der Hochsaison rund geht). Vor ein paar Jahren habe ich einmal einen Artikel eines Travellers gelesen, der geschrieben hat: „Sollen sie sich doch in Kanada gegenseitig auf die Füße steigen, ich fahr nach Patagonien“. Dazu kann ich nur sagen: Hah!! Meiner Meinung nach ist hier mehr los als in den Gegenden von Kanada, die wir besucht haben, und es ist zum Teil sogar teurer als dort. Die Preise sind manchmal eine richtige Frechheit und einfach nicht gerechtfertigt, aber ich bin mir sicher, dass diese Entwicklung in den nächsten Jahren mit mehr und mehr Touristen noch weiter gehen wird. Und wem kann man es verübeln? Man kann hier richtig geile Sachen unternehmen, aber ohne das nötige Kleingeld geht’s halt nicht. Oft läuft das bei uns jetzt so ab: „Das könnt ma machen, klingt super laut Lonely Planet. Schau ma mal die Preise im Internet nach …. ok … ähm … dann wohl eher doch nicht!“ Überall ist vom „Ende der Welt – Fin del Mundo“ die Rede, ein Gefühl von Abenteuer und Pioniertum will sich aber wirklich nicht mehr einstellen. Dafür muss man schon noch weiter Richtung Süden vordringen: bis in die Antarktis. Und ab da wird’s dann komplett unleistbar! (Aber ein paar Reiseträume muss man sich ja noch für die Zukunft aufsparen…)

 

Nicht “Alpinismus” sondern “Andinismus”!

Beim Anflug nach El Calafate hatten wir einen ersten, großartigen Blick auf die schneebedeckten Anden und das endlose Südpatagonische Eisfeld. Sehr gut zu erkennen waren die berühmten Massive Fitz Roy und Cerro Torre. Und genau dort zog es uns auch hin.

Ausgangspunkt für Wanderungen zum Fitz Roy und Cerro Torre im Parque Nacional Los Glaciares ist das kleine, verschlafene Bergdorf El Chalén, das von El Calafate aus in ca. 3 Stunden mit dem Bus erreicht werden kann. El Chaltén existiert erst seit ca. 15 Jahren. Damals beschloss die argentinische Regierung, in diesem Gebiet eine permanente Siedlung zu errichten, um ihren Anspruch auf dieses Territorium gegenüber Chile zu sichern. Seitdem hat sich der Ort zu einem Mekka für Wanderer, Bergsteiger und Kletterer entwickelt. Die Hochsaison startet im November, wir hatten also Glück und konnten noch ein paar relativ ruhige Tage dort genießen. Viele Lokale hatten noch nicht geöffnet und überall war großer Frühlingsputz im Gange. Überhaupt herrscht in El Chaltén ein Bauboom. Ich bin mir sicher, dass das Dorf in ein paar Jahren kaum mehr wiederzuerkennen ist und von Touristen komplett überschwemmt sein wird.

Die zwei beliebtesten und wohl auch schönsten Touren in dieser Gegend sind die Tageswanderungen zu Aussichtspunkten nahe am Fitz Roy bzw. am Cerro Torre. Die erste Wanderung zur Laguna de los Tres unter dem beeindruckenden Massiv des Fitz Roy beendeten wir nach 11 anstrengenden Stunden und mit schmerzenden Beinen in der Abenddämmerung. Die zweite zur Laguna Torre mit tollem Ausblick auf den Cerro Torre war mit 7 Stunden zum Glück deutlich kürzer und es mussten weniger Höhenmeter überwunden werden. Wir hatten das große Glück den Fitz Roy komplett ohne Wolken zu sehen, laut den Nationalpark-Rangern ein seltenes Privileg, speziell zur jetzigen Jahreszeit.

Ein interessantes Detail: am Ortsrand von El Chaltén steht eine typische österreichische Kapelle mit Holzschindeln! Sie trägt die Aufschrift: Toni Egger Gedenkkapelle. Toni Egger war ein Tiroler Bergsteiger der Ende der 50iger-Jahre bei(m Versuch) der Erstbesteigung des Cerro Torre ums Leben kam. Laut seinem Kletterpartner waren die beiden am Gipfel, die Kamera mit den Gipfelfotos wurde allerdings von der Eislawine zusammen mit Toni Egger in den Abgrund gerissen und konnte nie gefunden werden. Daher ist bis heute umstritten, ob die beiden wirklich die Erstbesteigung geschafft haben. Ein Nebengipfel des Cerro Torre wurde jedenfalls nach ihm “Cerro Egger” benannt. Im Andenken an Toni Egger und an mehrere andere Bergsteiger die in diesem Gebirge ihr Leben verloren haben, wurde die kleine Kapelle errichtet.

Bei der Wanderung zum Fitz Roy trafen wir ein junges deutsches Pärchen, das bereits seit 6 (!!!) Jahren in der Weltgeschichte herumtingelt. So lange halten wir’s sicher nicht mehr aus… 😉

Weites grünes Land

 

Das Landesinnere von Uruguay ist eine einzige, endlose grüne Weide – mit sanften Hügeln und einem weiten blauen Himmel. Fast schon kitschig. Jede Menge Kühe, Schafe, wilde Nandus (straußenähnliche Laufvögel), Füchse, Gürteltiere, Stinktiere, Wasserschweine und natürlich Pferde, Pferde, Pferde… Wir sind hier im Land der riesigen Estancias und der Gauchos. Fast wie in Argentinien und doch anders. Die Urugayer selbst wollen ja keinesfalls mit den Argentiniern in einen Topf geworfen werden…

Nachdem wir uns entschlossen hatten, Uruguay aufgrund der Nähe zu Buenos Aires einen Besuch abzustatten, haben wir uns natürlich gefragt, was wir dort überhaupt machen sollen. Denn in Wirklichkeit war Uruguay für uns bisher ein weißer Fleck auf der Landkarte, zwischen Brasilien und Argentinien gelegen, aber komplett unbekannt. Wir haben uns nach einiger Suche im Internet dazu entschieden, ein paar Tage auf einer Estancia, einer riesigen Rinderfarm mitten im urugayischen Nirgendwo zu verbringen…mit jeder Menge Essen (Frühstück, Mittagessen, Nachmittagsjause, Abendessen und von allem reichlich: uff!!!), mit Ausritten am Gelände der Estancia, Lesen, Spaziergängen – und einem 1,5 Tage dauernden Stromausfall… Für mich war’s besonders toll mich mit den anderen Gästen auf Spanisch zu unterhalten und seit einer Ewigkeit (seit meiner Kindheit) wieder einmal auf einem Pferd zu sitzen. Und die Pferde waren sehr geduldig und gutmütig, ein tolles Erlebnis!! Am beeindruckendsten fand ich aber die Wasserschweine (Capybaras), die in bzw. an einem See in der Nähe der Estancia leben: vom Aussehen eine Mischung aus Meerschweinchen und Nutria, sind sie mit über einem Meter Länge die größten lebenden Nagetiere! Ein Wasserschwein ist direkt vor unserem Kanu aufgetaucht, hat einen erschrockenen schrillen Schrei ausgestoßen – und mich dabei mindestens ebenso erschreckt – und ist sofort wieder abgetaucht. Ein paar andere haben wir aus der Ferne am Ufer beobachtet. Sehr scheue und ziemlich ungewöhnliche Tiere. Und dann war da auch noch unsere Begegnung mit einem Stinktier: glücklicherweise mit genügend Sicherheitsabstand!

Über den Río de la Plata nach Uruguay

In nur einer Stunde hat die Fähre von Buenos Aires aus den Río de la Plata – den Silberfluss (in Wirklichkeit ist er braun und eine Mischung aus Süß- und Salzwasser) – überquert und im Hafen von Colonia de Sacramento in Uruguay angelegt.  Leider gab’s auf der Fähre keine Möglichkeit, während der Überfahrt an Deck zu bleiben und das schöne Wetter zu genießen: alles zu! Die Grenzkontrolle war kein Problem und ruck zuck erledigt, wie an den meisten südamerikanischen Grenzübergängen bisher (mit Betonung auf SÜD!!).

Colonia ist eine verschlafene, sehr saubere Kleinstadt mit engen Kopfsteinpflaster-Gassen, alten Gebäuden und einem Leuchtturm und hat insgesamt einen leicht morbiden Charme. Auf den Straßen waren erstaunlich viele Oldtimer unterwegs. Viel gab’s nicht zu tun in Colonia: nach einem späten Mittagessen und einem entspannten Spaziergang in der Altstadt verkrochen wir uns in unserem Quartier.

Aber ganz ohne Ärger geht’s halt doch nicht: erst der vierte Bankomat – nach einer langen Wartezeit in einer Schlange – hat mit unserer Kreditkarte Geld ausgespuckt. Wir waren schon leicht nervös, so ganz ohne Geld…

Buenos Aires – capital de todos los Argentinos

Buenos Aires ist die Stadt der “guten Lüfte”. Aber nicht weil die Luft dort außergewöhnlich sauber und frisch wäre, sondern weil die Stadt unmittelbar südlich des Verbreitungsgebietes der Malaria liegt – der Fluss Río de la Plata bildet die Grenze. Früher glaubte man, dass diese Krankheit über die Luft übertragen  wird (“mal aria” – schlechte Luft).

Buenos Aires ist eine wirkliche Großstadt – der Großraum Buenos Aires beheimatet mehr als 13 Mio. Menschen. Sowohl in Slums, als auch in ausgedehnten Luxusvierteln. Der Busbahnhof an dem wir angekommen sind, liegt in einem armen Viertel. Schon ein wenig erschreckend als erster Eindruck. Wunderschön präsentiert sich im Gegensatz dazu das Viertel “Recoleta” mit dem gleichnamigen Friedhof, auf dem sich die imposanten Grabmäler der Reichen und Berühmten Argentiniens befinden. Von einfachen Gräbern kann man hier wirklich nicht sprechen. Auch María Eva Duarte de Perón, besser bekannt als Evita, hat hier im Duarte-Familiengrabmal ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ihr Grab hat sich zur Pilgerstätte von Einheimischen und Touristen entwickelt und ist auf dem verwinkelten Friedhof dennoch ein bisschen schwer zu finden und fast ein wenig unscheinbar, verglichen mit den prunkvollen Kapellen und Grüften anderer Familien.

Die Krimininalität in Buenos Aires scheint in den letzten Jahren stärker zugenommen zu haben, aufgrund von anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Landes und der aktuellen Staatsinsolvenz. Die Inflation ist galoppierend. Kein Wunder, dass die Argentinier versuchen, möglichst viele ihrer Pesos in “harte” US-Dollar zu tauschen. Auf legalem Weg ist das allerdings nur sehr begrenzt möglich. An einer bestimmten, gut besuchten Straße im Zentrum hört man deshalb alle paar Meter jemanden flüstern: “Cambio, cambio! Change! Best rate, my friend!”

Buenos Aires ist auf jeden Fall eine Reise wert – für uns viel schöner als beispielsweise Lima oder Santiago de Chile. Um einen guten Überblick zu bekommen, sollte man schon mindestens eine Woche bleiben. Es gibt viel zu sehen und die Stadt ist sehr weitläufig. Gut, dass wir vor unserem Rückflug nach Europa noch einmal 2 Tage dort eingeplant haben!

Wine or no wine – that is the question

We chose no wine since we stayed not very long in Mendoza and wine is a heavier burden on the budget compared to fruit juice. For myself I expected Mendoza to be different as it actually was. I expected an old town center like Sevilla or Salamanca, but there was nothing like that. So the town itself is rather boring. The only thing that was as expected were the huge areas that were used for vineyards. It is possible to spend quite some time there to visit all the wine farms. Perhaps another time for us, when we are older and travelling with a group of people.

The most interesting thing for us was our first encounter with the “Blue Rate”. By the time I write this the official exchange rate for one USD is about 8.5 Argentine Pesos. When we left the bus and entered the bus station there was already a guy walking around whispering “cambio, cambio”. We asked for the exchange rate and he said 14.5 Pesos per Dollar if we have 100 Dollar bills. For the three 20 Dollar bills we offered him he granted us a rate of 14.2. In the hostel where we stayed the exchange rate was 12. Next day we could achieve 14.8 for a hundred Dollar bill. Without this, Argentina would be quite expensive concerning some products and services because the inflation is quite high. So, the main challenge for us is now to have hard currency, to find someone who is willing to change at a good rate and to secure that we don’t get any fake money.

Parque nacional Lauca

Von Arica aus nahmen wir um 7 Uhr in der Früh einen öffentlichen Bus in das 3,5 Stunden entfernte Dorf Putre auf 3.600 m Seehöhe. Die erste halbe Stunde fuhren wir durch dichten Nebel, dann klarte es allerdings auf und wir konnten vom Busfenster aus die kahle, aber wunderschöne Gebirgslandschaft genießen. Die Straße ins Gebirge ist recht gut ausgebaut, da sie als Transitroute für LKWs von Bolivien zum Seehafen im chilenischen Arica dient. Putre ist ein mehr als verschlafenes Dorf, fast keine Touristen aber auch kaum Dorfbewohner weit und breit. Das Dorf existiert hauptsächlich wegen des Militärstützpunktes, der dort aufgrund der Nähe zu Peru und Bolivien betrieben wird. Wir blieben für 2 Nächte in einer Unterkunft die von einem italienischen Paar geführt wird und machten am zweiten Tag eine Tagestour per Geländewagen in den Lauca Nationalpark, der noch einmal 1000 m weiter oben im Gebirge liegt. Diese Gegend ist touristisch noch weitgehend unerschlossen. Die Höhe spürt man schon sehr deutlich, bei jedem Schritt und vor allem wenn man aufsteht! Im Laufe des Tages baute sich bei mir langsam Kopfweh auf. Aber die Landschaft dort oben ist grandios, ein Bilderbuchvulkan reiht sich an den nächsten! Und mit Flavio hatten wir einen wirklich tollen Guide! Wir haben jede Menge Tiere gesehen, u.a. Vizcachas die wie eine Mischung aus Känguru und Hase ausschauen.

Erste Eindrücke aus Chile: Arica

 

Genau am Wochenende des Unabhängigkeitstages sind wir in Chile bzw. in der Grenzstadt Arica im äußersten Norden des Landes angekommen. Überall wehten chilenische Flaggen und die halbe Stadt war am Strand um zu feiern. Arica ist eine freundliche, sonnige Stadt und Ausgangspunkt für Touren in den Nationalpark Lauca. Außerdem wurden in der Nähe der Stadt die angeblich ältesten Mumien der Welt gefunden, die der Chinchorro-Kultur. Diese Menschen haben vor Tausenden von Jahren alle ihre Toten in aufwändigster Art und Weise präpariert und somit quasi unsterblich gemacht. Nicht nur Adelige oder besonders wichtige Mitglieder der Gesellschaft, sondern jeden, selbst ungeborene Babies.  Makaber aber wahr: Sie gingen dabei in ähnlicher Art und Weise vor, wie heutzutage Tiere ausgestopft werden.  Ein tolles Museum in der Nähe von Arica widmet sich diesem interessanten Thema und stellt die Geschichte der Völker dar, die vor den spanischen Eroberern und sogar noch vor den Inca in dieser Gegend – im Gebirge und an der Küste – gelebt haben.

In Arica fanden wir eine gemütliche Unterkunft: eine Jugendherberge die von einem Neuseeländer und einer Peruanerin betrieben wird. Das Frühstück war eines der besten bisher in Südamerika.

Von Lima über Ica bis an die chilenische Grenze…

…ging’s per Bus mit “Cruz del Sur” in insgesamt 20 Stunden. Bei der peruanischen Busgesellschaft Cruz del Sur verläuft das Einsteigen in den Bus wie ein Check-In am Flughafen: mit Aufgabe des großen Gepäcks und Sicherheitskontrollen. Wir haben einen Platz ganz vorne am oberen Deck des Buses reserviert und hatten eine tolle Aussicht durch das Panoramafenster. Nach 4 Stunden Fahrt an der Küste entlang Richtung Süden legten wir einen Stopp in Ica ein, einer kleinen Stadt in der Wüste, die berühmt ist für ihre Oase “Huacachina”. Huacachina liegt inmitten von gewaltigen Sandünen, die größten die wir bisher gesehen haben. Aber das einzig wirklich spannende dort sind die Fahren mit Geländebuggies durch die Dünen und das Sand-Boarding: Wir haben uns gefühlt wie auf einer Achterbahn, so schnell ist der Fahrer die Dünen rauf und runter gebrettert bzw. geflogen! Sandboarding war ganz lustig, aber Sand ist halt nicht zu vergleichen mit Schnee und den Zustand der Boards dort möchte ich mal lieber nicht kommentieren…

Am nächsten Tag haben wir uns für eine lange Nachtfahrt – wieder mit Cruz del Sur, aber in einer höheren Klasse – bereitgemacht. Und waren komplett begeistert von dem luxuriösen Bus der uns erwartet hat, mit Kabinen wie in der Business-Class im Flieger: gemütliche große Sitze mit persönlichem Entertainment-System und einer warmen Mahlzeit. Und das zu einem echt günstigen Preis. Unterwegs stieg einmal ein peruanischer Polizist zu und warf einen strengen Blick in unser Abteil. Ein paar Stunden später mussten alle Passagiere aussteigen und eine halbe Stunde an einer Zollstation warten, während der ganze Bus von Beamten durchsucht wurde: es ging aber nicht um Drogen oder ähnliches, sondern um Obst und Gemüse, dass nicht aus den nördlichen Teilen Perus in die Anbaugebiete im Süden gebracht werden darf, um die Ausbreitung von Schädlingen zu vermeiden.

Am nächsten Vormittag erreichten wir die peruanische Grenzstadt Tacna und verbrachten eine Nacht in einem ungemütlichen Hotel, bevor die Reise mit einem Sammeltaxi über die peruanisch-chilenische Grenze weiter ging. Der Taxifahrer war sehr hilfsbereit und hat uns zu den einzelnen Stationen der Grenzkontrolle begleitet, somit lief alles problemlos ab.

Bye bye Cusco!

Noch ein paar Bilder aus Cusco, vor unserem Rückflug nach Lima. Schön wars! 🙂

Urubamba

 

In Urubamba haben wir eine wirklich hübsche Unterkunft gefunden – eine Pension, die von einem französisch-peruanischen Paar mit einer süßen kleinen Tochter geführt wird. In dem paradiesischen Garten sind wir stundenlang gesessen – haben gelesen, mit den Hunden gespielt, die Kolibris beobachtet oder einfach nur die Sonne und Wärme genossen. Das Frühstück dort war eines der besten unserer ganzen Reise! Außerdem war es interessant mit den Besitzern über ihre Erfahrungen als Unternehmer in Peru zu sprechen – und das ist wie man sich denken kann nicht immer einfach.

Am nächsten Tag sind wir mit einem winzigen Motortaxi zum Busbahnhof von Urubamba gefahren (die Pension liegt etwa 2 km außerhalb des Orts) und haben dort ein Taxi für eine mehrstündige Rundfahrt in die Umgebung gemietet. Erster Stopp waren beeindruckende Inkaruinen namens Moray. Die Amphitheater-förmigen Anlagen im Boden wurden von den Inka höchstwahrscheinlich als landwirtschaftliche Versuchszentren verwendet. Beispielsweise wurden Pflanzen, die ursprünglich nur in hohen Lagen vorkamen, wie die Kartoffel, an niedriger gelegene Gebiete “gewöhnt”, in dem sie schrittweise auf immer tieferen Terrassen gepflanzt wurden. Auf den einzelnen Ebenen herrscht unterschiedliches Mikroklima: am Rand erreichen die Temperaturen im Sommer um die 25 Grad, am Boden der Anlage können sie bis auf 50 Grad steigen. Auch umgekehrt wurde dieses Prozess durchgeführt, z.B. mit der Kokapflanze, die normalerweise nur im feuchtwarmen Dschungel vorkam.

Zweiter Stopp war eine im Betrieb befindliche Salzgewinnungsanlage (Maras). Salzhaltiges Wasser aus den Bergen wird über Terrassen geleitet und verdunstet in einer Vielzahl an kleinen Becken. Zurück bleibt Salz, das von verschiedenen Familien geerntet und verkauft wird. Die Anlage bietet einen sehr speziellen, unwirklichen Anblick!

Von Urubamba ging’s dann mit einem Colectivo wieder zurück nach Cusco.

Mitten in den Anden

 

Nach einem unglücklichen Start in der Früh sollte dieser Tag einer der schönsten unserer bisherigen Reise werden…

Bevor wir die spektakuläre Hochgebirgs-Landschaft der Anden genießen konnten, hieß es aber erstmal um 3:00 in der Nacht aufstehen, denn die Fahrt zum Colca Canyon von Arequipa aus dauert mehrere Stunden. Nach 15 Minuten Fahrt mussten wir aber schon einen unfreiwilligen Stopp einlegen:  Erst ein ordentlicher Rumpler und dann überholte einer unserer Hinterreifen unseren kleinen Tourbus während der Fahrt!!  Nach einigen Diskussionen mit dem Guide und dem Fahrer wurde ein Ersatzbus organisiert, mit dem die Fahrt 45 Minuten später weiterging. Ein mulmiges Gefühl blieb aber zurück…

Zum Glück wurden wir durch die spektakuläre Landschaft auf dem Weg zum und im Canyon selbst mehr als entschädigt. Um von Arequipa aus nach Chivay und zum Canyon de Colca zu kommen, muss man einen Pass auf 4.910 m Seehöhe überqueren. Schon nach wenigen Schritten ging uns dort oben die Puste aus, es ist einfach unglaublich!!

Viel mehr möchte ich jetzt auch nicht schreiben, ich glaube die Bilder sprechen für sich.

Arequipa

Arequipa haben wir eigentlich nur als Akklimatierungs-Stopp vor Cusco eingeplant (es liegt auf ca. 2.400 m Seehöhe), die Stadt hat sich aber als schönes Ziel herausgestellt. Im Gegensatz zu den zwei Wochen in Lima davor, haben wir ENDLICH wieder die Sonne gesehen und konnten die angenehmen frühlingshaften Temperaturen genießen. Arequipa ist umgeben von hohen Bergen und einigen Vulkanen. Besondere Highlights für uns: eine riesige, bunt bemalte Klosteranlage, unsere Unterkunft – eine hübsche Pension in einem historischen Gebäude – mit einem süßen Wachhund, und einige gute Restaurants – allen voran eine “Creperie”. Endlich können wir’s uns wieder leisten, Essen zu gehen! Und nicht zu vergessen: das interessante Museum mit der berührenden Inka-Eismumie namens “Juanita” die von Forschern auf dem Gipfel eines Vulkans gefunden wurde…

Markt in Otavalo

Otavalo ist eine kleine Stadt etwa 2 Bus-Stunden nördlich von Quito. Dort findet jeden Samstag einer der größten Open-Air Märkte Südamerikas statt, von Kleidung über Kunsthandwerk und Essen gibt’s dort alles. Laut unserem Reiseführer ist Otavalo ein „Muss“, also haben wir uns auch auf den Weg gemacht. Den richtigen Bus zu erwischen war schon ein Abenteuer, exakte Zeitpläne oder genau festgelegte Haltestellen gibt’s nämlich nicht. Der Markt selbst war für uns aber leider ziemlich enttäuschend, nach 1,5 Stunden in dem Gewusel hat‘s uns auch schon wieder gereicht. An den Ständen sieht man jede Menge Ramsch, den man in ähnlicher Form auch bei uns finden kann – vieles davon „made in China“. Außerdem wiederholt sich nach 4 oder 5 Ständen das Angebot. Wenn man daheim gerne auf Flohmärkte oder Kirtage geht, dann wird man diesen Markt auch mögen, ansonsten kann man sich das wirklich sparen. Otavalo selbst ist auch kein wirkliches Highlight, im Vergleich zu Quito ziemlich konfus und heruntergekommen. Die Fahrt mit dem Bus aufs Land war zumindest sehr interessant und wirklich billig. Unterwegs sind immer wieder fliegende Händler ein- und ausgestiegen und haben den Passagieren Essen und Getränke angeboten. Die Landschaft außerhalb von Quito hat uns gefallen und ist sicher noch einmal eine Reise wer, leider haben wir dafür nicht genug Zeit eingeplant.

Welterbestadt Cuenca

Ein paar Eindrücke aus Cuenca, einer ca. 500 km südlich von Quito gelegenen ecuadorianischen Kleinstadt. Das bedeutet eine ca. 14-stündige Busfahrt in einem vollgestopften Bus oder einen knapp 1-stündigen Flug. Wir haben uns für letzteres entschieden und konnten dadurch tolle Ausblicke auf 2 schneebedeckte Vulkankegel und das ecuadorianische Hochland genießen. Cuenca wirkt ruhiger und viel gemütlicher als Quito. Zwischen vielen hübschen renovierten Häusern aus der Kolonialzeit verfallen andere Gebäude vor sich hin. Es wird jedoch auch aktuell fleißig renoviert. Cuenca scheint eine Art sonniger und vor allem günstiger Alterswohnsitz für Pensionisten aus den USA geworden zu sein und man trifft hier weit mehr ausländische Touristen als in Quito. Wir sind für eine Nacht in einer kleinen Pension geblieben und haben uns sehr gut in einem Englisch/Spanisch-Mix mit unseren freundlichen Gastgebern unterhalten. Die Cafés und Restaurants haben hier außerdem viel einladender und interessanter auf uns gewirkt, als in Quito, unter anderem gibt’s ein vegetarisches Lokal, das vegetarische Interpretationen von ecuadorianischen Klassikern anbietet, und eine Mikrobrauerei. Von uns eine 4-Sterne Bewertung für Cuenca! Wirklich sehenswert!!

Bienvenidos al Ecuador!

Das erste Mal in Südamerika! Wir waren zugegebenermaßen schon etwas nervös. Nach Neuseeland, Australien, USA und Kanada – die Europa in vielen Bereich doch ziemlich ähnlich sind – in eine komplett andere Kultur. Aber Quito hat sich als guter Einstieg erwiesen. Unsere Unterkunft – das Hostal La Rosario – lag in der Nähe der Altstadt, nur einen kurzen Spaziergang von beeindruckenden Gebäuden aus der Kolonialzeit, vor allem vielen wunderschönen Kirchen, entfernt. Erstes Aha-Erlebnis im Hostal: Klopapier darf nicht im Klo runtergespült, sondern muss in die daneben bereitgestellten Mistkübel gegeben werden. Grund: Die Kanalisationsrohre in Quito sind enger als in Europa und verstopfen leicht. Tja, was soll man dazu sagen…

An Tag 1 haben wir gleich mal die lokale Küche an Strassenständen ausprobiert (und es hat uns nicht geschadet…): für mich gab’s gegrillte Plátano (Kochbanane) mit Käse. Schmeckt ungewohnt, aber sehr gut. Kochbananen schmecken zwar nach Banane, sind aber nicht oder nur kaum süß und werden hier gerne als Beilage zu pikanten Gerichten gegessen. Für Robert gab’s einen Fleisch-Gemüse-Eintopf mit einem gekochten Ei und Reis. Das Fleisch hat sich bei näherer Betrachtung dann als Kutteln herausgestellt, und wurde sorgfältig am Tellerrand deponiert…Sonst war’s aber ganz gut. Und vor allem billig: 3 Dollar für alles zusammen, und das war wahrscheinlich sogar schon der Touristen-Spezialpreis! Sehr beliebt sind hier Gerichte mit Huhn, Fisch, Meeresfrüchten und vor allem Reis. Überall Reis!! Und noch etwas Gutes haben wir entdeckt: ein in einem Bananenblatt gebackener kleiner Kuchen aus Maismehl und Rosinen, der warm gegessen wird. Hat mich als Steirerin sehr an unseren Sterz erinnert!

Generell haben wir uns in der Innenstadt und der Altstadt sehr sicher gefühlt. Polizei und private Wachdienste sind über-präsent. Es gibt sogar eine eigene Touristen-Polizei. Vorab haben wir uns über die Sicherheitslage in Quito informiert, und wurden vor Taschendiebstahl gewarnt. Daher haben wir uns auch entsprechend vorbereitet und besonders auf unser Zeug aufgepasst. Passiert ist nichts. Ich bin erst einmal beklaut worden, und das war in Budapest.

Der Verkehr in Quito ist weniger schlimm als angenommen, sowohl was den Fahrstil der Einwohner, als auch Verkehrüberlastung usw. betrifft. In Instanbul z.B. fanden wir’s in beiderlei Hinsicht weitaus schlimmer. Zwar ist das mit den roten und grünen Ampeln nicht immer so klar, und auch die Scharen an Verkehrspolizisten, die ständig mit ihren Trillerpfeifen pfeifen und mit den Armen in der Luft herumwedeln, machen die Situation nicht klarer. Man muss also schon mehr als daheim aufpassen, wenn man über die Strasse geht. Gehupt wird auch gerne, wobei uns nicht ganz klar ist, in welchen Situationen…

Insbesondere die Altstadt von Quito mit den vielen spanischen Bauten aus der Kolonialzeit ist wunderschön und wurde von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen. So prunkvolle Kirchen wie hier sieht man selbst im Vatikan kaum, zwei der Kirchen sind innen komplett vergoldet. Eine Besonderheit – aber für uns irgendwie unheimlich – sind die zum Teil sehr realistischen Heiligenfiguren, manche haben sogar Glasaugen und echte Haare. Die Ecuatorianer sind übrigens sehr gläubige Katholiken. Für Ausländer gibt’s zu den Sehenswürdigkeiten meist höhere Eintrittspreise als für Ecuadorianer, ist aber auch verständlich. Über 2 bis 3 Dollar geht’s aber selten hinaus. Apropos Dollar: US-Dollar sind seit dem Jahr 2000 die offizielle ecuadorianische Währung.

Quito sieht aber nicht überall so schön aus, wie auf den Fotos. Und leider gibt es auch Schattenseiten wie Kinderarbeit (in der Innenstadt vor allem als Schuhputzer), viele alte Menschen die arbeiten müssen, Strassenhunde usw. Das Gefälle zwischen Arm und Reich, und vor allem zwischen den Menschen in den Städten und am Land, ist in Ecuador groß. Die Ober- und Mittelschicht lebt in einem mit Europa oder den USA vergleichbaren Standard, während die restliche Bevölkerung unter der Armutsgrenze ihr Auskommen finden muss. In der Innenstadt bekommt man davon aber gar nicht so viel mit.

Mit unserem (dürftigen) Spanisch kommen wir so halbwegs über die Runden. Und das müssen wir auch, weil nicht oft Englisch gesprochen wird. Später in Lima wollen wir einen Sprachkurs besuchen, aber ich finde es unglaublich, wie viel man in den wenigen Tagen schon dazulernt. Und auch wenn ich gerade nicht mit jemandem spreche, denke ich ständig darüber nach, was dieser oder jener Satz auf Spanisch heißen könnte. Ein ganz wichtiger Satz: “Lo siento, pero no entiendo!” Dann gibt’s meist ein halb belustigtes, halb mitleidiges, aber verständnisvolles Lächeln, und irgendwie mit Händen und Füßen und im Glücksfall ein paar Brocken Englisch vom Gegenüber versteht man sich dann doch.

An unserem dritten Tag in Quito haben wir uns mit meiner ecuadorianischen Studienkollegin Augusta, die in der Nähe von Quito lebt, getroffen und sind zusammen am Abend mit der relativ neuen Gondelbahn (“teleférico”, und nein, diesmal NCHT von Doppelmayr…) auf den “Hausberg” von Quito hinaufgefahren – dem aktiven Vulkan “Pinchincha” (4.690 m). Von dort oben sieht man unter anderem die beeindruckenden, schneebedeckten Kegel der Vulkane “Cotopaxi” (5.897 m) und “Cayambe” (5.690 m).

Quito liegt übrigens auf ca. 2.800 m Seehöhe und ist damit die höchste Hauptstadt der Welt. Ich weiß nicht genau, ob’s daran gelegen ist, aber ich hatte jeden Tag am Abend Kopfschmerzen und beim Erklimmen von steilen Gassen in Quito merkt man die Höhe definitiv. In Quito herrschen das ganze Jahr über angenehme frühlingshafte Temperaturen, genau richtig für unseren Geschmack.