Bienvenidos al Ecuador!

Das erste Mal in Südamerika! Wir waren zugegebenermaßen schon etwas nervös. Nach Neuseeland, Australien, USA und Kanada – die Europa in vielen Bereich doch ziemlich ähnlich sind – in eine komplett andere Kultur. Aber Quito hat sich als guter Einstieg erwiesen. Unsere Unterkunft – das Hostal La Rosario – lag in der Nähe der Altstadt, nur einen kurzen Spaziergang von beeindruckenden Gebäuden aus der Kolonialzeit, vor allem vielen wunderschönen Kirchen, entfernt. Erstes Aha-Erlebnis im Hostal: Klopapier darf nicht im Klo runtergespült, sondern muss in die daneben bereitgestellten Mistkübel gegeben werden. Grund: Die Kanalisationsrohre in Quito sind enger als in Europa und verstopfen leicht. Tja, was soll man dazu sagen…

An Tag 1 haben wir gleich mal die lokale Küche an Strassenständen ausprobiert (und es hat uns nicht geschadet…): für mich gab’s gegrillte Plátano (Kochbanane) mit Käse. Schmeckt ungewohnt, aber sehr gut. Kochbananen schmecken zwar nach Banane, sind aber nicht oder nur kaum süß und werden hier gerne als Beilage zu pikanten Gerichten gegessen. Für Robert gab’s einen Fleisch-Gemüse-Eintopf mit einem gekochten Ei und Reis. Das Fleisch hat sich bei näherer Betrachtung dann als Kutteln herausgestellt, und wurde sorgfältig am Tellerrand deponiert…Sonst war’s aber ganz gut. Und vor allem billig: 3 Dollar für alles zusammen, und das war wahrscheinlich sogar schon der Touristen-Spezialpreis! Sehr beliebt sind hier Gerichte mit Huhn, Fisch, Meeresfrüchten und vor allem Reis. Überall Reis!! Und noch etwas Gutes haben wir entdeckt: ein in einem Bananenblatt gebackener kleiner Kuchen aus Maismehl und Rosinen, der warm gegessen wird. Hat mich als Steirerin sehr an unseren Sterz erinnert!

Generell haben wir uns in der Innenstadt und der Altstadt sehr sicher gefühlt. Polizei und private Wachdienste sind über-präsent. Es gibt sogar eine eigene Touristen-Polizei. Vorab haben wir uns über die Sicherheitslage in Quito informiert, und wurden vor Taschendiebstahl gewarnt. Daher haben wir uns auch entsprechend vorbereitet und besonders auf unser Zeug aufgepasst. Passiert ist nichts. Ich bin erst einmal beklaut worden, und das war in Budapest.

Der Verkehr in Quito ist weniger schlimm als angenommen, sowohl was den Fahrstil der Einwohner, als auch Verkehrüberlastung usw. betrifft. In Instanbul z.B. fanden wir’s in beiderlei Hinsicht weitaus schlimmer. Zwar ist das mit den roten und grünen Ampeln nicht immer so klar, und auch die Scharen an Verkehrspolizisten, die ständig mit ihren Trillerpfeifen pfeifen und mit den Armen in der Luft herumwedeln, machen die Situation nicht klarer. Man muss also schon mehr als daheim aufpassen, wenn man über die Strasse geht. Gehupt wird auch gerne, wobei uns nicht ganz klar ist, in welchen Situationen…

Insbesondere die Altstadt von Quito mit den vielen spanischen Bauten aus der Kolonialzeit ist wunderschön und wurde von der UNESCO in die Liste der Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen. So prunkvolle Kirchen wie hier sieht man selbst im Vatikan kaum, zwei der Kirchen sind innen komplett vergoldet. Eine Besonderheit – aber für uns irgendwie unheimlich – sind die zum Teil sehr realistischen Heiligenfiguren, manche haben sogar Glasaugen und echte Haare. Die Ecuatorianer sind übrigens sehr gläubige Katholiken. Für Ausländer gibt’s zu den Sehenswürdigkeiten meist höhere Eintrittspreise als für Ecuadorianer, ist aber auch verständlich. Über 2 bis 3 Dollar geht’s aber selten hinaus. Apropos Dollar: US-Dollar sind seit dem Jahr 2000 die offizielle ecuadorianische Währung.

Quito sieht aber nicht überall so schön aus, wie auf den Fotos. Und leider gibt es auch Schattenseiten wie Kinderarbeit (in der Innenstadt vor allem als Schuhputzer), viele alte Menschen die arbeiten müssen, Strassenhunde usw. Das Gefälle zwischen Arm und Reich, und vor allem zwischen den Menschen in den Städten und am Land, ist in Ecuador groß. Die Ober- und Mittelschicht lebt in einem mit Europa oder den USA vergleichbaren Standard, während die restliche Bevölkerung unter der Armutsgrenze ihr Auskommen finden muss. In der Innenstadt bekommt man davon aber gar nicht so viel mit.

Mit unserem (dürftigen) Spanisch kommen wir so halbwegs über die Runden. Und das müssen wir auch, weil nicht oft Englisch gesprochen wird. Später in Lima wollen wir einen Sprachkurs besuchen, aber ich finde es unglaublich, wie viel man in den wenigen Tagen schon dazulernt. Und auch wenn ich gerade nicht mit jemandem spreche, denke ich ständig darüber nach, was dieser oder jener Satz auf Spanisch heißen könnte. Ein ganz wichtiger Satz: “Lo siento, pero no entiendo!” Dann gibt’s meist ein halb belustigtes, halb mitleidiges, aber verständnisvolles Lächeln, und irgendwie mit Händen und Füßen und im Glücksfall ein paar Brocken Englisch vom Gegenüber versteht man sich dann doch.

An unserem dritten Tag in Quito haben wir uns mit meiner ecuadorianischen Studienkollegin Augusta, die in der Nähe von Quito lebt, getroffen und sind zusammen am Abend mit der relativ neuen Gondelbahn (“teleférico”, und nein, diesmal NCHT von Doppelmayr…) auf den “Hausberg” von Quito hinaufgefahren – dem aktiven Vulkan “Pinchincha” (4.690 m). Von dort oben sieht man unter anderem die beeindruckenden, schneebedeckten Kegel der Vulkane “Cotopaxi” (5.897 m) und “Cayambe” (5.690 m).

Quito liegt übrigens auf ca. 2.800 m Seehöhe und ist damit die höchste Hauptstadt der Welt. Ich weiß nicht genau, ob’s daran gelegen ist, aber ich hatte jeden Tag am Abend Kopfschmerzen und beim Erklimmen von steilen Gassen in Quito merkt man die Höhe definitiv. In Quito herrschen das ganze Jahr über angenehme frühlingshafte Temperaturen, genau richtig für unseren Geschmack.

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